Der Blick der Alten irrte zwischen dem kleinen Mädchen, das eine Geschichte hören wollte, und der hochgewachsenen, jungen Frau von zeitloser Schönheit umher. Sie sah der Frau in die Augen, die so voller Weisheit waren, wie sie eigentlich nur die Augen der Alten sein können. Dann lächelte sie dem kleinen Mädchen zu, hob es auf ihren Schoß und begann mit Blick auf die junge Frau ihre Geschichte zu erzählen...

Lasst mich Euch eine Legende erz√§hlen. Eine Legende, so alt wie die Zeit, aber so zeitlos wie die Gesch√∂pfe, von denen sie handelt. Eine Legende √ľber Gesch√∂pfe, die in der Sprache der Menschen Zeitlose hei√üen und die sich selbst den geheimnisvollen Namen Kant√°lin gegeben haben.
Die Kantálin sind schöner als die schönsten Elfen, weiser als die weisesten Zauberer und kunstfertiger als die kunstfertigsten Zwerge. Die Kantálin sind alles, was die Menschen sich erträumen zu sein.
Lasst mich Euch in eine Welt entf√ľhren, die der unseren so ganz fremd und doch auch wieder so √§hnlich ist.
Lasst mich Euch die Welt der Kant√°lin zeigen.

Ihr fragt Euch, was die Kant√°lin sind? Sie sind ein Volk, einst so menschlich wie wir. Sie bekamen einen Schutzschild, leben seit dem an unber√ľhrt von der Zeit. Doch sie sind nicht unsterblich. Sie w√ľrden niemals auf Grund der Zeit sterben und ihre Wunden heilen schneller als die der Menschen. Doch auch sie k√∂nnen ihr Leben durch Unf√§lle und K√§mpfe verlieren. Durch Krankheiten nicht, die Kant√°lin werden nicht krank. Sie kennen nur eine einzige Krankheit, das Koma, den kant√°linischen Fluch. Er l√§sst ihre K√∂rper kalt werden, erstarren, l√§hmt die Muskeln, bis sie sterben. Nur wenige √ľberleben diese Krankheit. Doch die Kant√°lin kennen keine Trauer. Sie f√ľhlen es, wenn sie in jemandes Schuld stehen, sie haben Lebenswillen in sich, doch sie kennen keine tiefen Gef√ľhle, keine verzweifelte Trauer, keine √ľbersch√§umende Freude, keinen abgrundtiefen Hass, keine herzerw√§rmende Liebe.

Ihr fragt Euch, wo die Kant√°lin leben? Sie leben auf der sagenumwobenen Insel Atlantis. Sie sind der Grund daf√ľr, dass die Insel f√ľr die Menschen verschwand. Sie wohnen in einem goldenen K√§fig, um sich selbst vor den neidischen Menschenaugen zu sch√ľtzen, zu verstecken. Nur einige wenige wagen den Weg hinaus in unsere Welt. Sie schreiben unsere Geschichte auf.

Der Blick der Frau glitt von dem faszinierten Gesicht des Mädchens hoch zu dem der jungen Frau.

Doch was auch immer sie tun, sie k√∂nnen sich niemals vollends verbergen. Und so manchem Menschen erf√ľllen sie einen Lebenstraum, wenn sie sich ihm zeigen.

Die junge und alte Frau sahen sich in die Augen. Die Zeit schien kurz f√ľr sie still zu stehen, dann neigte die junge Frau den Kopf. Der Bann war gebrochen und die alte Frau erz√§hlte weiter die Geschichte der Kant√°lin.